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Diagnoseschock bei Krankheit bewältigen: Wege aus der Krise.

  • Autorenbild: frankmitteldorf
    frankmitteldorf
  • 30. Juni
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Nachdenkliche Frau in grünem Pullover sitzt auf einer Holzbank am Seeufer und hält eine dampfende Tasse, Symbol für das Verarbeiten eines Diagnoseschocks in der körperzentrierten psychologischen Beratung in meiner Praxis in Zürich.
Innehalten und Boden finden: Psychologische Beratung Zürich unterstützt Sie dabei, den ersten Diagnoseschock und die Krise zu bewältigen. Foto: Frank Mitteldorf (Gemini)

«Der Moment, in dem die Ärztin das Wort aussprach, zog mir den Boden unter den Füssen weg», höre ich leider oft in meiner Praxis. Ein tiefer Schock, Atemnot, ein Gefühl, als würde man im eigenen Leben plötzlich im falschen Film sitzen. Eine schwere oder unheilbare medizinische Krankheitsdiagnose teilt die eigene Biografie radikal in ein «Davor» und ein «Danach». Es stellt einen Wendepunkt dar, nachdem vieles nicht mehr so ist wie zuvor. Doch was passiert in unserer Psyche in diesen ersten Tagen des Ausnahmezustands?


Als Psychologischer Berater biete ich Krisen-Beratung in Zürich und unterstütze Betroffene den Diagnoseschock bei Krankheit zu bewältigen. Ich zeige Ihnen, wie Sie die emotionale Sturmwelle der ersten Wochen überstehen und warum ein «Tunnelblick» in dieser Phase eine völlig normale Schutzfunktion ist.


Der Ausnahmezustand: Warum uns eine schwere, unerwartete Diagnose in die Krise stürzt.


Wenn uns eine medizinische Hiobsbotschaft plötzlich trifft, reagiert der Mensch mit einem akuten Schock. Uns wird schlagartig die eigene Sterblichkeit und Endlichkeit vor Augen geführt. In der Psychologie verstehen wir eine schwere oder unheilbare Diagnose als ein massives, krisenauslösendes Ereignis. Auf der bekannten Stress-Skala von Holmes & Rahe rangiert eine schwere Erkrankung auf Platz 6 von 43 Ereignissen – direkt nach dem Tod eines nahen Familienmitglieds.


Für viele meiner Klienten kommt zusätzlich erschwerend dazu, dass sich die Situation durch Ängste, Mythen und gesellschaftliche Vorurteile verschärft, die sofort im Kopf anspringen. Etwa bei Diagnosen wie Krebs, HIV oder Demenz. Das gewohnte Leben bricht zusammen, und vertraute Vorstellungen müssen verabschiedet werden.


Laut Duden bedeutet Krise ein kritischer Wendepunkt in einer schwierigen Lage oder Situation. Der Begriff stammt vom griechischen Wort krísis ab, was Entscheidung oder entscheidende Wendung bedeutet. Die Entscheidung hat in diesem Kontext mit unserem Wahrnehmen, Fühlen, Denken und Handeln zu tun. Eine Krise kann zu einem Gefühl des Scheiterns führen, was die Vulnerabilität erhöht, oder zu persönlichem Wachstum, indem ein guter Umgang mit der Herausforderung gefunden wird.


Die 4 Phasen der Krisendynamik nach Caplan.


Um den eigenen Zustand in den ersten Tagen besser einzuordnen, hilft ein Blick auf das klassische Phasenmodell des Psychiaters Gerald Caplan (1). Er beschreibt, wie Stressoren in kürzester Zeit rasch zunehmen. Wird auf einer frühen Stufe kein Ausweg gefunden, spitzt sich eine akute psychische Krise im Körper und Geist zu:


  1. Die Bedrohung (Diagnoseschock): Das Ereignis bricht ein. Vertraute Mechanismen greifen nicht mehr. Oft reagieren Betroffene mit gelähmtem Abwarten, Nichtwahrhabenwollen oder Verdrängen.


  1. Die Druckintensivierung: Da das Problem bestehen bleibt, steigt die innere Spannung. Es wird mehr desselben gemacht, was nicht hilft. Man fühlt sich ohnmächtig, ineffektiv und entwickelt erste stressbedingte Symptome.


  1. Der Notfall (Tunnelblick): Die Perspektive verengt sich drastisch auf das Krisenerleben. Es scheint, als wären alle Lebensbereiche betroffen. Die Handlungsfähigkeit wird eingeschränkt und das Selbstbild gerät ins Wanken. Erst jetzt werden gezwungenermassen neue Notfallreserven mobilisiert und neue Lösungsansätze angewendet.


  1. Die Resignation (Breaking Point): Wird keine Lösung oder Entlastung gefunden, baut sich der Druck bis zum Breaking Point auf. Der Lebenssinn wird drastisch umorganisiert. Es droht ein Nervenzusammenbruch, Selbst- oder Fremdgefährdung und Chronifizierung.


Akuthilfe für die ersten Tage: Wie Sie den Diagnoseschock bewältigen.


Wenn Sie oder ein geliebter Mensch gerade in der Akutphase stecken, geht es nicht um etwa langfristige Lebensplanung, sondern um pure Schadensbegrenzung und Stabilisierung. Es ist die Phase, wo ich ein «minimalinvasives» Vorgehen empfehle. Eine Zeit, wo das Mobilisieren persönlicher Ressourcen besonders wichtig ist. Also auf Dinge, die in anderen Lebensbereichen noch funktionieren und helfen, Kräfte für die Bewältigung dieser Ausnahmesituation zu aktivieren. Das mag manchmal zu einer Ablenkung führen, was in dieser frühen Phase ok ist und eine Verschnaufpause ermöglicht.


  • Starke Emotionen wie Traurigkeit, Wut, Ohnmacht und Enttäuschung sind ok.

    Die Idee der Ressourcenaktivierung ist aber auch, so paradox es klingt, die Kraft zu haben dort hinzuschauen, wo es richtig weh tut: Den Schmerz ob dem Verlust von dem was war und was hätte sein können. Lassen Sie ihre Emotionen ungezügelt zu, so roh sie auch sein mögen. Sie sind eine natürliche Reaktion auf die erfahrene körperliche, mentale und seelische Verletzung. Das Zulassen stösst den Heilungsprozess an. Je früher das geschieht, umso besser gelingt die Verarbeitung. Es macht Platz frei, um die Realität in kleinen Schritten durchsickern zu lassen und sie letztlich anzunehmen.


  • Information ist zentral für den Umgang mit der «Bedrohung».

    Fakten sind in der frühen Diagnose- und Behandlungsphase sehr wichtig. Ein rascher Wissensaufbau über die Krankheit und die Behandlungs-Möglichkeiten führt zu einem Gefühl der Problem-Verstehbarkeit. Das Wissen etwas gegen das Problem tun zu können, ist ein Schritt in Richtung Aktion und macht dem Gefühl der Handhabbarkeit Platz. Das kurbelt die Motivation an, damit Sie sich für wichtige Dinge aktiv einsetzen, wie etwa Ihre Restgesundheit.


  • Den Informationsfluss dosieren.

    Achten Sie darauf, dass die Information von verlässlichen Quellen wie Ihren behandelnden Ärzten und von spezialisierten Patientenorganisationen stammt. Früher oder später hilft meinen Klienten manchmal auch der Austausch in Selbsthilfe-Gruppen, sogenannten Peer-to-Peer-Beratungen. Das Gefühl nicht allein zu sein und sich von anderen Betroffenen inspirieren zu lassen ist für viele sehr wertvoll. Sie finden dazu ein paar weiterführende Links am Ende dieses Artikels.


  • Vorsicht mit «Dr. Google».

    Die Versuchung ist riesig, sofort jede Zeile des medizinischen Befunds im Internet zu recherchieren. Tun Sie es in den ersten Tagen nicht. Ein unkontrolliertes Suchen füttert nur die Angst. Versuchen Sie stattdessen, die Diagnose schrittweise einsinken zu lassen und vertrauen Sie zunächst den direkten Absprachen mit Ihren behandelnden Ärztinnen.


  • Schützen Sie Ihren Raum – Sie müssen es nicht sofort jedem erzählen.

    Es gibt keine Pflicht zur sofortigen Offenbarung. Manchmal ist es ein Akt des Selbstschutzes, die Diagnose vorerst für sich zu behalten oder sie nur einer einzigen, absolut vertrauenswürdigen Person anzuvertrauen. So schützen Sie sich vor den unvorhersehbaren oder überforderten Reaktionen Ihres Umfelds, während Sie selbst noch keinen festen Boden unter den Füssen haben.


  • Selektive Offenbarung setzt Energie frei.

    Mittel- und langfristig blockiert der Aufwand für das Geheimhalten von wichtigen persönlichen Informationen Energie. Das Teilen Ihrer persönlichen Situation setzt diese Energie frei, die Ihnen für andere wichtige Dinge umso mehr zur Verfügung steht. Es gibt keine allgemeingültige Regel für den guten Umgang damit. Viele meiner Klienten achten aber insbesondere in einer frühen Phase darauf, dass Sie sich Menschen selektiv anvertrauen, die sie als unterstützend und wohlwollend wahrnehmen. Doch nicht alle verfügen für diese Situation über ein für diese Situation geeignetes Helfernetz, oder müssen erst lernen, Hilfe als ein Akt der Autonomie anfragen und annehmen zu können.


  • Nutzen Sie die Achtsamkeit und Selbstheilungskräfte Ihres Körpers.

    In der Körperzentrierten Psychologischen Beratung wissen wir, dass der Körper in der Krise massiv unter Spannung steht. Körperliche Symptome wie Schlaflosigkeit, Kreisdenken, Schmerzen sind realistischerweise zu erwarten. Dazu gesellen sich oft auch mentale Symptome wie Angststörungen, Depressionen, erodierender Selbstwert, sozialer Rückzug und Sinnfragen. Seien Sie darum besonders achtsam darauf, was Ihr Körper und ihre Emotionen Ihnen sagen wollen. Machen Sie dazu mehrmals am Tag bewusste Mikro-Pausen. Nehmen Sie bewusst wahr, wie sich Ihr Körper und Ihre Atmung gerade anfühlt, was Sie gerade so brauchen, was Ihnen gut tun würde. Ein guter Umgang mit sich in diesen Tagen mobilisiert Ihre Widerstandskraft und ist ein kleiner Schritt weg von der Passivität, hin zu mehr Aktivität.


Wann ist professionelle Krisen-Beratung sinnvoll?


Eine Krisen-Begleitung erscheint dann angebracht, wenn eine Überforderung besteht, die zu Einschränkungen im Alltag führt. Wenn sich Klienten früh melden, wenn sich erste Einzelsymptome zeigen, dann kann eine einfühlsame und engagierte psychologische Begleitung rasche Besserung bringen.


Meist kommen Klienten erst dann in eine Beratung, wenn sich Störungen bereits verfestigten und sich verschiedene Initial-und Folgesymptome ausbilden. Die gute Neuigkeit ist, dass es nie zu früh oder zu spät für eine psychologische Beratung oder ein Coaching ist. Denn unser Körper und damit auch unsere mentalen Fähigkeiten sind form- und veränderbar.


Fazit: Vom Ausnahmezustand zurück ins Handeln.


Der Diagnoseschock ist eine völlig gesunde Reaktion auf eine ungesunde, existenzielle Bedrohung. Erlauben Sie sich, in den ersten Tagen einfach nur zu «funktionieren» und Ihre Gefühle zu dosieren. Mit der Zeit – und wenn gewünscht mit professioneller, supportiver Begleitung – weitet sich der Tunnelblick wieder. Sie werden Ihre innere Problemlösungs-Kompetenz wiederentdecken, Ressourcen aktivieren und lernen, dass ein Leben trotz schwerer oder unheilbarer Diagnose lebenswert, tiefgründig und gestaltbar bleiben kann.



Stecken Sie oder ein Angehöriger gerade mitten im Diagnoseschock und suchen einen geschützten Raum, um Gedanken und Ängste offen auszusprechen?


Als diplomierter Psychologischer Berater begleite ich Sie in meiner Praxis in Zürich sanft, ressourcenorientiert und auf Augenhöhe durch diese erste schwere Phase. Kontaktieren Sie mich für ein unverbindliches Erstgespräch.




Ich melde mich schnellstmöglich telefonisch bei Ihnen, damit wir Ihr Anliegen und Ihre Fragen vorab unverbindlich und kostenlos vorbesprechen können.



Weiterführende Informationen


Bundesamt für Gesundheit:


Selbsthilfegruppen:


Fachstellen und Patientenorganisationen:


FAQ - Häufige Fragen zur Krisen-Beratung


Wie schnell kann ich einen Termin für ein Erstgespräch in Zürich erhalten?

In akuten Krisen ist Schnelligkeit entscheidend. Ich biete in meiner Praxis in Zürich kurzfristige Termine an, oft innerhalb weniger Tage. Kontaktieren Sie mich gerne direkt über das Kontaktformular oder per Telefon für ein unverbindliches und kostenloses Vorabgespräch.

Muss ich mich auf die erste Sitzung vorbereiten?

Nein, Sie müssen keinerlei Vorbereitungen treffen. Der Diagnoseschock lässt oft keinen Raum für strukturierte Gedanken. In der ersten Sitzung geht es primär darum, anzukommen, den ersten Druck abzulassen und einen geschützten Raum zu finden. Wir gehen in Ihrem Tempo vor.

Bieten Sie die Beratung auch online an?

Ja, die Beratung findet wahlweise in meiner Praxis in Zürich oder online via Video-Call statt. Insbesondere in der Akutphase, wenn die Kraft für den Weg zur Praxis fehlt, kann ein Online-Termin eine entlastende und effektive Alternative sein. Sofern Sie aber die Kraft haben in die Praxis zu kommen, so empfiehlt sich das, zumindest für die ersten Sitzungen.

Was ist der Unterschied zwischen psychologischer Beratung und Psychotherapie?

Die psychologische Beratung konzentriert sich auf die lösungsorientierte Begleitung in akuten Lebenskrisen und bei der Bewältigung belastender Ereignisse. Sie grenzt sich von der klinischen Psychotherapie ab, da sie keine schwerwiegende psychische Krankheit voraussetzt und daher keine Diagnose nach dem Krankenversicherungsgesetz stellt.

Übernehmen die Krankenkassen die Kosten für das Erstgespräch?

Da es sich um eine psychologische Beratung und nicht um eine psychotherapeutische Behandlung handelt, erfolgt die Abrechnung in der Regel als Selbstzahler. Viele Klienten nutzen dies bewusst, um die Diskretion zu wahren und Wartezeiten für kassenpflichtige Therapieplätze zu vermeiden. Gewisse Zusatzversicherung übernehmen einen kleineren Anteil an der psychologische Beratung, was die Klienten bei Bedarf vor der Kontaktnahme klären sollten.


Quellen:


1: Caplan, G. (1964). Principles of preventive psychiatry. New York: Basic Books.


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